BeReal: Keine Filter, kein Photoshop, kein Fake.

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Neu ist sie nicht, aber es wirkt, als sei sie über Nacht in aller Munde. Eine App namens BeReal macht seit einiger Zeit die Runde. Doch was macht die App so besonders?

Wie funktioniert BeReal?

Gerade noch gescrollt und da ist sie plötzlich: die Benachrichtigung. Die Zeit läuft. Schnell das Foto geschossen; sieht furchtbar aus, aber egal. Kein zweiter Versuch, denn der würde sowieso nicht besser als der erste sein. Zudem sehen die anderen, dass das dein zweiter Versuch wäre. Die Reaktionen deiner Freunde trudeln ein. Alle freuen sich über dein Bild. Sie freuen sich darüber, dich zu sehen und zu wissen, was du im selben Moment getan hast wie sie. Denn auch sie haben ein solches Bild gepostet, und du freust dich genau so über deine Freunde, wie sie sich über dich.

Doch was ist hier gerade überhaupt passiert? Bei weltweit über 10 Millionen Downloads dürften einige die Antwort auf diese Frage bereits kennen: BeReal. Die 2020 von Alexis Barreyat und Kevin Perreau veröffentlichte App hat in diesem Jahr enorm an Aufmerksamkeit gewonnen. Alleine im ersten Quartal des Jahres 2022 verzeichnete die App mit 3,3 Millionen Downloads einen Zuwachs von 390% im Vergleich zum vorherigen Quartal (Q4 2021).

Das Prinzip der App ist schnell erklärt: Jeden Tag bekommen User:innen gleichzeitig, zu einer täglich wechselnden Uhrzeit, von der App eine Push-Nachricht. Diese erinnert daran, innerhalb von zwei Minuten ein Foto für die App aufzunehmen. Ist die Zeit verstrichen, so kann später noch eins aufgenommen werden, welches beim Hochladen jedoch als late, also verspätet, markiert wird. Das Foto beinhaltet sowohl eine Aufnahme der Front-, als auch der Rückkamera. Nachdem Posten des Fotos können Freunde es sehen und darauf reagieren. Wer selbst kein BeReal-Foto hochlädt, kann auch die der anderen nicht sehen. Nach 24 Stunden sind die Fotos verschwunden.

So viele Social Media Plattformen. Wozu noch BeReal?

Mit der steigenden Aufmerksamkeit für BeReal kam es auch schnell zu Vergleichen mit anderen großen Apps, etwa mit Wordle: eine App, bei der jeden Tag eine Runde gespielt werden kann. Logisch, dass man die Form des täglichen kleinen Online-Rituals erkennt. Auch der Vergleich mit Snapchat bleibt nicht aus. Die Ähnlichkeit in diesen Punkten ist schwer abzustreiten, aber das ist auch nicht nötig. BeReal ist dann doch noch etwas ganz Eigenes.

Um Vergleiche zwischen BeReal und anderen Plattformen zu ziehen, sind offensichtliche Überschneidungen nicht zwingend. Groß im Raum steht der Kontrast zwischen BeReal und dem Social Media Giganten Instagram. Was 2010 als eine Art friedliches Fotoparadies startete, in dem Nutzer:innen ihr Leben kreativ in Bildformat darstellen konnten, hat sich mittlerweile für einige in eine Groteske verwandelt. Zwischen maßlosen Fotomanipulationen und Massen an unnatürlich schönen Menschen, grenzenlosen Prahlereien und realitätsfernen Leben, haben sich schon viele in Selbstzweifel, Selbsthass, Krankheit oder Schlimmerem wiedergefunden. Neben Posts von Influencer:innen oder Prominenten erscheinen gelegentlich sogar die Beiträge von Freund:innen und Bekannten unecht.

Zudem hat sich Instagram immer mehr von der Fotoplattform entfernt, die sie einst war. Nach dem unermesslichen Erfolg der konkurrierenden Plattform TikTok hat sich Instagram, zu mancher Leute Missgunst, immer mehr dem vertikalen Videoformat zugewandt. Das sich „Inspirieren lassen“ Instagrams von BeReals ist dank dessen Hype wenig überraschend.

Worin liegt der Reiz?

Gekünstelte Selbstdarstellung findet zwar nicht exklusiv auf Instagram ihren Platz, scheint dort aber am effektivsten zu gedeihen. Wie der Name schon vermuten lässt, fordert BeReal genau das Gegenteil: Echtheit. Die unvorhersehbaren zwei Minuten lassen den Nutzer:innen keine Zeit für irgendeine Form der Inszenierung. Außerdem kann kein Foto aus der Galerie ausgewählt und demnach auch kein manipuliertes Foto gepostet werden, zumal die App auch keine Filter zulässt.

Gerade bei jungen Menschen, spezifisch der Gen Z, findet die App Zuspruch. Das echte Leben der engsten Freunde zu sehen und zu wissen, was alle im selben Moment tun, schafft eine engere und echtere zwischenmenschliche Beziehung. BeReal schafft es jedoch nicht gänzlich, die Selbstinszenierung zu umgehen. Wenn am Abend noch ein fantastisches Konzert stattfindet, wird das mittags fällige BeReal ignoriert und das Foto erst während des Konzertes geschossen. Klar ist jedoch, dass andere die fünf-stündige Verspätung sehen und sich den Grund dafür denken können.

Gänzlich fern vom Faktor Selbstzweifel ist BeReal indes nicht. Sollte tatsächlich jemandem das BeReal zum perfekten Moment in den Schoß fallen, kann bei anderen schnell die Frage aufkommen, wieso das eigene Leben nicht derart ideal ist. Selbstverständlich müssen diejenigen, die BeReal nutzen, Instagram nicht abschwören. BeReal erinnert nur einmal am Tag daran nicht zu vergessen, dass das echte Leben, fernab von schönen quadratischen Kacheln, anders aussieht.

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Ronny Kühnert


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