Erfolgreiche Influencer Kampagnen erkennt man nicht an einer einzelnen Reichweitenzahl. Erst das vereinbarte Ziel zeigt, welche Ergebnisse überhaupt zählen. Ein brauchbarer Case nennt deshalb Aufgabe, Zeitraum, Leistungen, Kennzahlen und die Grenzen der Auswertung.
Zwei öffentliche 0711-Cases nennen konkrete Werte: Under Armour dokumentiert für 2014 bis Ende 2020 insgesamt 17 Kampagnen, 46 Millionen Impressionen und 400.000 Interaktionen. Für OeTTINGER weist der Case für Q1 2025 einen Followerzuwachs von 0,5 Prozent für Instagram und Facebook, 22.000 Gesamtinteraktionen und 166.000 organische Reichweite aus. Beide Projekte umfassten neben Influencer Marketing weitere Social-Media-Leistungen. Die Zahlen sind nicht als isolierte Influencer-Ergebnisse ausgewiesen, keine Branchenbenchmarks und keine Prognosen für neue Kampagnen.
Weitere Cases zeigen belegte Ansätze, aber keine veröffentlichten Ergebniskennzahlen. Auch daraus lassen sich Learnings ziehen – solange wir Prozessbelege nicht als Wirkungsnachweis verkaufen.
Kurzantwort: Was erfolgreiche Kampagnen gemeinsam haben
Eine erfolgreiche Influencer-Kampagne beginnt mit einem klaren Ziel und einem dazu passenden Setup. Creator, Content, Plattform, Rechte, Paid-Verlängerung und Messung müssen zu dieser Aufgabe passen. Ein Case hilft euch, solche Entscheidungen besser zu prüfen. Er beweist aber nicht automatisch, dass derselbe Mix in einem anderen Markt oder bei einer anderen Marke gleich wirkt.
„Erfolgreich“ ist ohne Ziel keine belastbare Aussage. Wenn ein Case kein Ziel, keine Ausgangslage oder keine Zuordnung der Ergebnisse nennt, könnt ihr daraus nicht sicher ableiten, was den Zahlen zugrunde liegt. Seht euch deshalb immer sowohl das dokumentierte Ergebnis als auch die Angaben an, die fehlen.
Under Armour: Kampagnen als laufendes Markensystem
Die Under-Armour-Case-Seite dokumentiert eine Betreuung von 2014 bis Ende 2020. Für diesen Zeitraum stehen dort 17 Kampagnen, 46 Millionen Impressionen und 400.000 Interaktionen. Zum beschriebenen Leistungsumfang gehören Redaktionsarbeit und Storytelling, Creator Relations, Community Management sowie bezahlte Distribution.
Der nachvollziehbare Lernpunkt liegt zunächst im Zusammenspiel: Die Marke wurde nicht nur über einzelne Kooperationen sichtbar gemacht. Redaktion, Beziehungen zu Creators, Community und Paid Distribution waren Bestandteile einer länger laufenden Arbeit. Für Marketingteams ist das ein guter Prüfrahmen: Fragt bei einem Case, ob die Agentur nur einzelne Posts vermittelt hat oder ob sie auch Briefing, Content, Community, Freigaben und Ausspielung verantwortet hat.
Was die veröffentlichten Zahlen nicht zeigen: eine Aufteilung nach Kampagne, Kanal, Creator-Beitrag oder organischer und bezahlter Reichweite. Ebenso wenig nennen sie hier ein konkretes Ziel, eine Vergleichsgruppe oder eine vollständige Attributionsmethode. Deshalb lässt sich aus den Summen nicht berechnen, welcher Baustein wie viel beigetragen hat. Und weil der dokumentierte Zeitraum 2020 endet, sind die Projektwerte kein aktueller Benchmark für Creator-Honorare, Reichweiten oder Plattformleistung.
OeTTINGER: Kennzahlen immer mit Zeitraum und Definition lesen
Die OeTTINGER-Case-Seite beschreibt Social-Media-Content, Redaktionsplanung, UGC, Community Management, Influencer Marketing und Social Ads. Für Q1 2025 nennt sie 0,5 Prozent Followerzuwachs für Instagram und Facebook, 22.000 Gesamtinteraktionen sowie 166.000 organische Reichweite.
„Organische Reichweite“ ist nicht dasselbe wie bezahlte Impressionen; „Interaktionen“ sind nicht automatisch qualifizierte Website-Aktionen. Die veröffentlichten Werte beschreiben das Social-Media-Projekt im ersten Quartal 2025, nicht separat die Influencer-Kooperationen. Der Case sagt auch nicht, welcher Leistungsbaustein die Werte verursacht hat oder ob sie auf ein anderes Unternehmen übertragbar wären.
Wenn euch ein Anbieter Kennzahlen zeigt, bittet um ihre Definition: Welche Plattform? Welcher Zeitraum? Werden Accounts oder einzelne Posts gezählt? Sind Creator- und Markenkanäle enthalten? Und was ist organisch, was bezahlt? So vergleicht ihr nicht nur ähnlich klingende Zahlen, sondern versteht, was tatsächlich erfasst wurde.
5,0, OeWater und Region Stuttgart: Auch qualitative Cases geben Hinweise
Nicht jeder veröffentlichte Case enthält freigegebene Leistungskennzahlen. Das macht ihn nicht wertlos – aber seine Beweiskraft ist eine andere.
Beim Case zu 5,0 Das Original nennt 0711 Kampagnenplanung, Content Creation, Influencer-Kooperationen, Seedings und Aktivierungen rund um Festival- und Community-Momente. Der Case veröffentlicht keine verifizierbaren Ergebniszahlen. Er zeigt also, welche Bausteine eingesetzt wurden und in welchem Umfeld die Arbeit stattfand; eine messbare Wirkung lässt sich daraus nicht ableiten.
Der OeWater-Case beschreibt Strategie, Konzeption und Creator Content. Als Ansatz nennt er relatable, also nahbare Inhalte statt austauschbarer Health-Kommunikation. Auch hier sind keine öffentlichen Ergebniskennzahlen hinterlegt. Der Beleg betrifft die gewählte kommunikative Richtung und die beschriebenen Leistungen, nicht eine nachgewiesene Veränderung von Marken- oder Verkaufskennzahlen.
Die Region-Stuttgart-Kampagne mit Stuttgart-Marketing und viergrad verbindet Content Creation, Influencer Marketing und Ads, um Stadt und Region in Social-Formaten zu zeigen. Auch dieser Case nennt keine freigegebenen Kennzahlen. Sein dokumentierter Wert für eine Auswahlentscheidung liegt in den benannten Partnern und Leistungsfeldern. Er ist kein Beleg dafür, wie viel Reichweite eine andere regionale Kampagne erzielen würde.
HelloFresh und innogy: Produktanwendung als Kampagnenidee
Bei HelloFresh HelloBBQ bildeten Rezepte und BBQ-Geschichten den gemeinsamen Anlass für Feedposts, Video und Stories. Der Case zeigt, wie Creator-Auswahl, Redaktion, Freigaben und Reporting eine konkrete Produktanwendung zusammenführten.
Der innogy-SmartHome-Case machte Technik über DIY-Projekte sichtbar: eine Lichtinstallation im Garten und eine selbstgebaute Leuchte im Wohnraum. Zwei Aktivierungswellen nutzten dasselbe Prinzip in unterschiedlichen Anwendungssituationen.
Beide Beispiele helfen dabei, die Kampagnenidee und die Rolle der Agentur zu verstehen. Die jeweiligen historischen Projektwerte und ihre Grenzen stehen auf den Case-Seiten; sie sind keine Prognose für eine neue Kampagne.
Was sich aus Cases übertragen lässt – und was nicht
Übertragbar sind meistens die Fragen, die ein guter Case aufwirft, nicht seine Zahlen. Nutzt Beispiele, um Arbeitsweisen zu prüfen:
- Passt das Ziel zur Maßnahme? Eine Awareness-Aufgabe braucht andere Erfolgssignale als Traffic, Content-Produktion oder Community-Aufbau.
- Ist die Rolle der Agentur klar? Trennt Creator-Honorar, Agenturleistung, Produktion, Media und Reporting.
- Sind organische und bezahlte Nutzung getrennt? Das ändert Rechte, Plattformfreigaben, Budget und Auswertung.
- Ist der Zeitraum sichtbar? Ein Quartal und eine mehrjährige Betreuung lassen sich nicht direkt vergleichen.
- Kann die Aussage geprüft werden? Kennzahl, Datenquelle, Definition, Zeitraum und bekannte Einschränkungen gehören zusammen.
Die Cases oben belegen keine Wirkung einer Paid-Verlängerung. Als separates Plattformbeispiel beschreibt Google mit Creator partnerships boost, wie verknüpfte YouTube-Creator-Videos in Google-Ads-Kampagnen eingesetzt und organische Aufrufdaten genutzt werden können. Google weist zugleich darauf hin, dass Werbetreibende ausreichende Rechte sichern müssen; je nach Fall kann dafür eine separate Vereinbarung mit dem Creator oder weiteren Rechteinhabern nötig sein. Einzelne Funktionen hängen vom Kampagnentyp ab.
Ein Paid-Test sollte die kreative Variante prüfen, nicht mehrere Änderungen gleichzeitig vermischen. Google empfiehlt für einen Vergleich eine Kontroll- und Testkampagne und möglichst konstante Einstellungen wie Budget und Targeting. Das ist ein Testdesign, keine Garantie für einen positiven Uplift. Ob sich der zusätzliche Einsatz lohnt, zeigen erst die Resultate im konkreten Setup.
Messung und Werbekennzeichnung von Anfang an planen
Wenn Kampagnen auf eine Website führen, braucht ihr konsistente Kampagnenparameter. Die Google-Analytics-Hilfe zu UTM-Parametern empfiehlt eine standardisierte Namensgebung für Quelle, Medium, Kampagne und Creative. Unterschiedliche Schreibweisen können Daten aufteilen; eindeutige Werte für Creatives helfen, Varianten voneinander zu unterscheiden. Legt die Konvention vor dem Start fest und haltet sie über Links und Reportings hinweg ein.
Auch die Werbekennzeichnung gehört in Briefing und Freigabe. Der Leitfaden der Medienanstalten enthält Hilfestellungen und eine Kennzeichnungsmatrix für Social Media und weitere Online-Medien. Welche Kennzeichnung im Einzelfall erforderlich ist, hängt von der konkreten Konstellation ab. Der Leitfaden ist eine Orientierung für den Prozess, ersetzt aber keine notwendige rechtliche Einzelfallprüfung.
So prüft ihr einen Case im Pitch
Gebt euch nicht mit einer Folie voller Logos und Kennzahlen zufrieden. Ein belastbarer Case sollte mindestens erkennen lassen:
- welche Aufgabe und Zielgruppe im Projekt standen,
- was Agentur, Marke und Creator jeweils übernommen haben,
- welche Plattformen, Formate und Zeiträume dokumentiert sind,
- wie organische und bezahlte Ausspielung getrennt werden,
- welche Nutzungsrechte und Freigaben den Einsatz ermöglichten,
- wie Kennzahlen definiert und erhoben wurden,
- welche Ergebnisse veröffentlicht werden dürfen – und was offenbleibt.
Fehlen Werte, ist eine transparente qualitative Darstellung besser als eine Zahl ohne Kontext. Fragt nach der Arbeitsweise, nicht nach einem Erfolgsversprechen. Ein historischer Case kann Kompetenz belegen, aber weder eure individuelle Creator-Shortlist noch einen kostenlosen Kampagnenplan ersetzen.
Auf der Leistungsseite Influencer Marketing seht ihr, welche Bausteine 0711 für Markenkampagnen übernehmen kann. Wenn Ziel, Zielgruppe, Timing und Budgetrahmen bereits feststehen, könnt ihr ein unverbindliches Kampagnenangebot anfragen. Individuelle Strategie, Creator-Auswahl und konkrete Empfehlungen beginnen nach eurer ausdrücklichen Angebotsfreigabe.
